Jon Gruden raus: Deshalb trat der Raiders-Coach zurück

Wenn man sich zu Anfang der Saison gefragt hätte, welcher der 32 NFL-Coaches zuerst geht oder gegangen wird, dann wären einem einige Namen eingefallen. Las Vegas-Trainer Jon Gruden wäre nicht darunter gewesen. Doch der Fall des 58-Jährigen bahnte sich schon vor zehn Jahren an.

Die Nachricht vom Rücktritt Grudens rüttelte Anfang der Woche die NFL auf. Nicht etwa wegen Gruden selbst, sondern vielmehr wegen der strukturellen und gesellschaftlichen Probleme, die offen gelegt wurden. Denn wie schon beim Washington Football Team, dreht sich dieser Skandal erneut um Themen wie Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie.

Zwischen 2011 und 2018 war Gruden NFL Experte bei ESPN und hatte in dieser Zeit diverse abfällige Mails über weibliche Schiedsrichter, homosexuelle Footballer oder auch den Hymnen-Protest verfasst. Sein liebster Mail-Freund war Bruce Allen, damaliger Präsidenten des Washington Football Teams. Die beiden sollen sich auch Fotos von leicht bekleideten Cheerleadern geschickt haben, die bei einem Fotoshootings unter Allen entstanden waren. Außerdem gab es abwertende Kommentare über NFL-Commissioner Roger Goodell, auch rassistische Inhalte wurden in den Mails gefunden.

Ausgerechnet die Freundschaft zu Bruce Allen hat Gruden schließlich den Job gekostet. Denn durch die Ermittlungen zum Washington Football Team, kam der Mailverkehr der beiden ans Licht. Die Mails zwischen Allen und Gruden wurden infolgedessen geleakt, die New York Times veröffentlichte diese nun auszugsweise. Besonders bitter: Gruden war der Coach von Carl Nassib, der sich 2021 als erster NFL Spieler öffentlich als homosexuell outete. Damals stand er Nassib noch zur Seite: „I learned a long time ago what makes a man different is what makes him great“. Viel Wahrheit steckt nicht in diesem Zitat.

Der Coach der Las Vegas Raiders wählte nun den Weg des geringsten Widerstands und gab seinen „freiwilligen“ Rücktritt bekannt. Für den 58-Jährigen dürfte es hoffentlich der letzte Job als Coach gewesen sein. Dieser Vorfall zeigt, dass die NFL noch einiges zu tun hat, um die Liga zu einem respektvollen, gleichberechtigten und inklusiven Ort zu machen.

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